Fisch. Alles riecht nach Fisch, Fisch ist überall, Fisch ist alles.

Irgendwie bin ich auf den Fischmarkt in Busan gestolpert, eigentlich wollte ich ein paar Secondhandläden durchstöbern, aber darauf, was man eigentlich machen wollte, kann man sich beim Reisen ja selten verlassen.

Die HändlerInnen der aufgehäuften Fische tragen alle dicke Gummistiefel, die ebenfalls zuhauf an Ständen links und rechts verkauft werden.

Koreanische Großmütter sitzen auf Plastikschemeln und preisen ihre Ware an. Es gibt Fisch, und nichts als Fisch, in allen Formen und Farben: tot oder lebendig, getrocknet, glänzend, gekocht, frittiert, eingelegt, dampfend, prall, ausgenommen, silbrig, rot, schwarz, bläulich, fette und schlanke Fischsleiber, die die koreanischen Großmuttis mit lautem Klatschen auf den Tischen anordnen.
In verschlossenen Töpfen simmert Geheimnisvolles. Vor den Lokalen brutzelt Fisch in Fett neben Wassertanks voller noch lebendiger Fische, deren Todesurteil jederzeit von einem hungrigen Gast gefällt werden kann.

Vor mir wühlt eine Frau mit behandschuhten Händen in einem Eimer voller Fischgemisch, eine andere tritt mit breitem Grinsen und Gummistiefeln in einem Bottich voller Muscheln herum.
Außerdem gibt es Pflanzen, Eingelegtes, Türme erkalteter Omelettes, Kochutensilien, Mützen, Handschuhe, Bohnen, Linsen, Nüsse, Samen, Gurken, Kohl, geschälten Ingwer, Seegras, Schweinsfüße, und…
FISCH: Fisch in so großer Anzahl, dass man vergisst, dass es auf der Welt auch noch Säugetiere gibt. Mit überrascht aufgerissenen Augen und Mündern offenbaren die toten Meerestiere ihre ausgenommenen Bäuche der Sonne.

Neben ihnen sind kunstvolle Muscheltürme aufgehäuft, und dann weitere Reihen silbriger, glitschiger Leiber, die ständig mit Wasser überschüttet werden, damit sie in der Sonne glänzen.

Ich bin ganz schön hungrig, aber je länger ich hier bin, desto klarer wird mir, dass ich hier nichts Vegetarisches finden werde. Ich nehme kurz Reißaus und werde an einem Straßenstand fündig, der sehr scharfe, klebrige 包子 (‘Baozi’, Dumplings mit Fleisch oder Gemüsefüllung) verkauft.

Am Ende des Marktes (oder am Anfang? Egal, ein Fischlimbus wie dieser kennt wohl keinen Anfang oder Ende) kommt man in eine riesige Halle.
Dahinter führt eine Straße so steil hoch, dass ich den Anblick ungläubig auf mein von der ununterbrochenen Konfrontation mit Fisch, Fischgeruch, Fischgeräuschen gestörtes Auffassungsvermögen schiebe;
erst als ich der Straße hinauf folge, bestätigt mein kurzer Atem mir, dass sie in der Tat außerordentlich steil ist.

Ich folge der Straße den Berg hoch zu einem Observatorium, wo es plötzlich unglaublich ruhig ist. Der Ausblick auf Busan ist beeindruckend, doch ich komme nicht umhin, mich zu fragen wie schön diese Bucht ohne all die Wolkenkratzer wäre. Egal, hier wird die Stille nur von einem aufgeregten Hund unterbrochen, der 20m unter uns an seiner Kette zieht.

Irgendwie ist Bergsteigen ja eine schöne Metapher, denke ich beim Abstieg, man fühlt sich auch sonst im Leben doch auch immer dann am wohlsten, wenn man nicht mitten drin im Trubel steckt, sondern aus der Ferne den Blick auf das Gewusel genießen kann.

Und ehe ich’s mir versehe, bin ich schon wieder in einer Menschenmenge eingetaucht, die von Messerwetzen, Möwengeschrei und Marktrufen erfüllt ist.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *